Wie Schweizer Vermögensverwalter ihre Stimmrechte für Klima- und Biodiversitätsschutz einsetzen (oder auch nicht)
Vermögensverwalter können mittels Ausübung ihrer Aktionärsstimmrechte an Generalversammlungen Konzerne beeinflussen, in die sie investiert sind. Neue Recherchen zeigen: Schweizer Vermögensverwalter nutzen ihre Stimmrechte oft uneinheitlich und manchmal sogar entgegen den Interessen ihrer Kunden, beispielsweise von Pensionskassen. Damit bremsen sie Fortschritte im Natur- oder Klimaschutz bei global tätigen Unternehmen.
Hintergrund der Fallstudie
Der aktive Dialog mit Portfoliounternehmen und die gezielte Ausübung von Aktionärsstimm-rechten (häufig als „Active Ownership“ bezeichnet) gelten allgemein als einer der wirksamsten Ansätze, mit dem institutionelle Investoren und Vermögensverwalter Unternehmen, in die sie investiert sind, zu mehr Nachhaltigkeit anhalten können. Im Rahmen der Stimmrechts-wahrnehmung spielt – neben der Wiederwahl resp. Abwahl von Mitgliedern des Verwaltungsrats oder des Managements – insbesondere eine Rolle, wie mit klima- und naturbezogenen Aktionärs- und Managementanträgen umgegangen wird.
Eine beim Recherchekollektiv WAV vom WWF Schweiz in Auftrag gegebene Fallstudie untersuchte gezielt das Abstimmungsverhalten grosser Schweizer Vermögensverwalter in Bezug auf umwelt-bezogene Aktionärsanträge, die im Jahr 2025 zu verschiedenen globalen Konzernen eingebracht wurden. Bei der Auswahl der Aktionärsanträge wurde darauf geachtet, dass die Schweizer Vermögensverwalter insgesamt einen bedeutenden Anteil am jeweiligen Unternehmen halten und letzteres aus einer Umweltsicht relevant ist.
Inhalt der Fallstudie
Anfang 2025 stellt die Investmentfirma Green Century einen Aktionärsantrag an die US-Fastfood-Kette McDonald’s. Darin forderte sie eine Überprüfung der bestehenden Klimapläne von McDonald’s. Hintergrund waren berechtigte Zweifel darüber, ob dessen Pläne ausreichen, um die vom Konzern gesetzten Klimaziele zu erreichen. McDonald’s verursacht mit seinem hohen Rindfleischverbrauch hohe Treibhausgasemissionen und treibt indirekt die Entwaldung von Tropenwäldern voran.
In der Abstimmung im Frühling 2025 erhielt der Aktionärsantrag nur ungefähr 10% Zustimmung. Eine Analyse durch das Recherchekollektiv WAV zeigt, dass das Abstimmungsverhalten von Schweizer Vermögensverwaltern stark variiert (siehe nachfolgende Tabelle). Von den 10 grössten Schweizer McDonalds-Aktionären stimmte einer gegen die Resolution (UBS), vier stimmten dafür (Pictet, Swisscanto, Swiss Life, J. Safra Sarasin), einer delegierte durch „Split Voting“1 die Entscheidung an Kunden (Lombard Odier), einer stimmte nicht ab (SNB2), und drei gaben die Abstimmungsergebnisse nicht bekannt (EFG, Julius Bär, UBP).
Die Ablehnung des Antrags durch die UBS fällt besonders stark ins Gewicht, da die UBS mit fast 70% der von Schweizer Aktionären gehaltenen Aktien das Stimmgewicht dominiert. Negativ fällt zudem auf, dass die UBS ihren Entscheid nicht begründet. Auf der anderen Seite steht die Privatbank Pictet, die dem Antrag zugestimmt und ihren Entscheid klar begründet hat: «Eine Zustimmung zu diesem Vorschlag ist gerechtfertigt, da zusätzliche Informationen über die Pläne des Unternehmens zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen es den Anlegern ermöglichen würden, besser zu verstehen, wie das Unternehmen Risiken mindert, die durch den Klimawandel und den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft entstehen.»
Die Untersuchung macht zudem sichtbar, dass vier der zehn grössten Schweizer Aktionäre ihren Stimmentscheid nicht oder nur unvollständig veröffentlichen. Dies erschwert es den Anleger:innen festzustellen, ob und wie die Vermögensverwalter ihre Stimmrechte in Bezug auf Klima- und andere Umweltfragen ausüben.
Insgesamt zeigt die Fallstudie, dass Schweizer Vermögensverwalter ihre Einfluss-möglichkeiten nicht konsequent nutzen, um investierte Unternehmen zu mehr Klima- und Biodiversitätsschutz zu bewegen. Dieses Muster ist auch bei weiteren, im Rahmen dieser Recherche untersuchten, Fällen ersichtlich (Meta, Mondelez, Pepsico). Dies sollte insbesondere institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen zu denken geben, die ihre Stimmrechte häufig nicht selbst wahrnehmen, sondern an einen Vermögensverwalter delegieren. Sie riskieren, dass die übertragenen Stimmrechte nicht so ausgeübt werden, wie es ihrer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie entsprechen würde.
Bedeutung für die Finanzplatz-Initiative
Die Finanzplatz-Initiative anerkennt die zentrale Bedeutung von „Active Ownership“ als Instrument, um investierte, finanzierte und versicherte Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen. Die Initiative ist aber auch der Auffassung, dass die Transparenz und Wirksamkeit von Praktiken in diesem Bereich derzeit nicht ausreichend sind. Die vorliegende Recherche bestätigt diesen Befund. Die Initiative fordert entsprechend griffige, einheitliche Regeln für die wirksame Wahrnehmung und Offenlegung von Aktionärsstimmrechten.
Berichterstattung
SRF-Beitrag: Investitionen: Schweizer Banken könnten mehr tun für Klimaschutz