Finanzplatz-Initiative eingereicht
Ein breites BĂŒndnis aus Finanzbranche, Politik und Zivilgesellschaft hat heute bei der Bundeskanzlei ĂŒber 145â000 Unterschriften fĂŒr die Volksinitiative «FĂŒr einen nachhaltigen und zukunftsgerichteten Finanzplatz Schweiz» eingereicht. Die Initiative fordert verbindliche Regeln fĂŒr FinanzgeschĂ€fte, die Klima- und Umweltrisiken bergen.
- Ăber 145â000 Menschen wollen einen Finanzplatz, der Verantwortung ĂŒbernimmt und mit seinen globalen GeschĂ€ften Klima und Natur nicht lĂ€nger belastet.
- Fortschritt braucht Verbindlichkeit: Die bisherigen Massnahmen, freiwillige Branchenlösungen und Selbstregulierungen sind wenig wirksam und unzuverlÀssig.
- Der Schweizer Finanzplatz verantwortet weiterhin ein Vielfaches der gesamten inlÀndischen CO2-Emissionen der Schweiz und untergrÀbt so die Klima-Anstrengungen im Inland.
- Die Finanzplatz-Initiative lenkt Finanzströme von umweltschÀdlichen AktivitÀten weg in Lösungen. Das beschleunigt den Umstieg auf eine nachhaltige Wirtschaft und stÀrkt die Position unseres Finanzplatzes langfristig.
Zitate
Stefan MĂŒller-Altermatt, Nationalrat Die Mitte Schweiz
âEs kann nicht sein, dass wir Klima- und Naturschutz den Unternehmen und BĂŒrgern ĂŒberlassen, wĂ€hrend der Finanzplatz mit seinen GeschĂ€ften im Ausland diese Anstrengungen unterlĂ€uft. Der Finanzplatz muss sich an denselben Werten und Verpflichtungen messen lassen wie der Rest der Gesellschaft.â
Sasha Cisar, Sustainability & Sustainable Finance Expert
âDer Schweizer Finanzplatz hat die Instrumente, um Klimaâ und Umweltrisiken zu steuern â nutzt sie aber bisher zu wenig. Die FinanzplatzâInitiative ĂŒbersetzt internationale Best Practices und bewĂ€hrte Instrumente in einen umsetzbaren Rahmen, womit sich Risiken systematisch reduzieren lassen.
Kathrin Bertschy, NationalrÀtin GLP Schweiz
âEin Finanzplatz, der Klimaâ und Umweltrisiken ignoriert, gefĂ€hrdet seine eigene Zukunft. Die FinanzplatzâInitiative stellt die Weichen, damit der Schweizer Finanzplatz langfristig wettbewerbsfĂ€hig, glaubwĂŒrdig und innovativ bleibt.â
Jon Pult, Nationalrat SP Schweiz
âDer Finanzplatz bleibt der wichtigste Hebel fĂŒr den Klima- und Naturschutz. Wir können es uns nicht lĂ€nger leisten, dass weiterhin MilliardenbetrĂ€ge ĂŒber die Schweiz in Ausbeutung von Kohle und Ăl oder die Abholung von RegenwĂ€ldern fliessen.â
Gerhard Andrey, Nationalrat GrĂŒne Schweiz und Verwaltungsrat Alternativen Bank Schweiz
âWenn Geld und Versicherungen fĂŒr Ăl, Gas und Kohle knapper werden, verĂ€ndert das den Markt. Genau hier setzt die FinanzplatzâInitiative an und eröffnet eine Chance fĂŒr wirksame VerĂ€nderung.â
Finanzplatz muss Verantwortung ĂŒbernehmen
Mit ihren GeschĂ€ften im Ausland richten Schweizer Finanzakteure grosse SchĂ€den an. Beispielsweise den Ausbau von klimaschĂ€dlicher FlĂŒssiggas-Infrastruktur in den USA oder die Ausweitung der Ăl- und Gasförderung in Saudi-Arabien. AktivitĂ€ten wie diese stehen im Widerspruch zu von der Schweiz unterzeichneten internationalen Vereinbarungen wie dem Pariser Klimaabkommen und unterwandern die gemeinsamen Anstrengungen fĂŒr mehr Klimaschutz im Inland.
Die erfolgreiche Unterschriftensammlung zeigt deutlich, dass mehr als 145â000 Menschen das nicht lĂ€nger hinnehmen wollen und Verantwortung von Banken, Versicherungen und weiteren Finanzakteuren fordern. Umfragen bestĂ€tigen diesen Eindruck: So kritisieren 75 Prozent der Befragten, dass Banken ihren Profit stĂ€rker gewichten als ihre gesellschaftliche Verantwortung.
Verpasst die Schweiz den Anschluss?
Seit der Lancierung der Finanzplatz-Initiative im November 2024 zeigt sich: ohne Verbindlichkeit bleibt Nachhaltigkeit schnell auf der Strecke. So zogen sich gewichtige Akteure aus freiwilligen ZusammenschlĂŒssen wie der Net Zero Banking Alliance zurĂŒck oder verabschiedeten sich von der unabhĂ€ngigen Validierung ihrer Klimaziele durch die Science Based Targets Initiative (SBTi). Das zeigt, wie unzuverlĂ€ssig und wenig wirkungsvoll freiwillige Branchenlösungen sind.
Eine kĂŒrzlich erschienene Studie bestĂ€tigt zudem, dass andere bedeutende FinanzplĂ€tze vermehrt Regulierungen im Bereich Nachhaltigkeit erlassen. LĂ€nder wie Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, China und Singapur zeigen deutlich ambitioniertere und kohĂ€rentere RegulierungsansĂ€tze. Die Schweiz hinkt hinterher und wird dem vom Bundesrat formulierten Anspruch, ein weltweit fĂŒhrender Standort fĂŒr nachhaltige Finanzen zu sein, nicht gerecht. Ohne ĂŒberzeugende Antworten auf die grössten Herausforderungen unserer Zeit wie den Klimawandel und das Artensterben wird unser Finanzplatz zunehmend exponierter gegenĂŒber Risiken und droht international an Bedeutung zu verlieren.
Handlungsbedarf bleibt gross
Die Schweiz ist ein kleines Land, doch ihr Finanzplatz ist ein globales Schwergewicht. Das zeigt sich auch in seiner negativen Umweltwirkung. So verantwortet der hiesige Finanzplatz weiterhin ein Vielfaches der gesamten inlÀndischen CO2-Emissionen der Schweiz. Mit 80'000'000'000 US-Dollar gehören Investoren und Vermögensverwalter aus der Schweiz zu den zehn grössten Anlegern in fossile Industrien weltweit.
Bisher unveröffentlichte Recherchen von WAV belegen zudem, dass auch im VermögensverwaltungsgeschĂ€ft die Möglichkeiten zur nachhaltigen Einflussnahme auf Unternehmen unzureichend genutzt werden. Das ist besonders relevant, weil die Schweiz gut ein FĂŒnftel des weltweit grenzĂŒberschreitend angelegten Vermögens verwaltet. In puncto nachhaltiges Abstimmungsverhalten liegen die grössten Schweizer Vermögensverwalter deutlich hinter ihrer europĂ€ischen Konkurrenz zurĂŒck.
Ein nachhaltiger Finanzplatz schafft Chancen
Die Umlenkung von Kapital aus umweltschÀdlichen AktivitÀten hin zu nachhaltigen Lösungen bietet grosse Chancen. Dadurch wird die nachhaltige Transformation der Wirtschaft beschleunigt, die Innovationskraft von Unternehmen gestÀrkt und der Ausstieg aus den fossilen Energien beschleunigt.
Die Finanzplatz-Initiative setzt auf verbindliche und umsetzbare Leitplanken und schafft damit faire Spielregeln fĂŒr alle. Sie zeigt einen praxistauglichen Weg fĂŒr einen nachhaltigen und zukunftsfĂ€higen Finanzplatz auf â abgestĂŒtzt auf internationale Standards und bewĂ€hrte Instrumente wie verbindliche TransitionsplĂ€ne. Damit stellt sie die Weichen dafĂŒr, dass unser Finanzplatz auch langfristig das bleibt, was er heute ist: ein starker, innovativer und verlĂ€sslicher Pfeiler unseres Landes.
Hier gehtâs zum Argumentarium inklusive Initiativtext.
Herzlichen Dank fĂŒr Ihr Interesse
Allianz fĂŒr einen nachhaltigen und zukunftsgerichteten Finanzplatz Schweiz
Sebastian Obrist Mediensprecher WWF Schweiz, sebastian.obrist@wwf.ch, +41 77 417 68 19