Flüssiggas-Boom untergräbt Klimaziele – Schweizer Versicherungen ermöglichen klimaschädliche Infrastruktur
Der Ausbau von Flüssiggas-Infrastruktur (LNG) schreitet weltweit mit hoher Geschwindigkeit voran – und das trotz eindeutiger Warnungen der Wissenschaft. Entlang der US-Küste sind in den letzten Jahren zahlreiche neue Terminals entstanden. Die Folge: Steigende Methanemissionen, zerstörte Ökosysteme und eine weitere Verschärfung der Klimakrise.
Ein Beispiel für den globalen Trend zur fossilen Expansion ist das 2022 in Betrieb genommene Flüssiggas-Terminal Calcasieu Pass im US-Bundesstaat Louisiana. An diesem Standort werden LNG-Tankschiffe be- und entladen – ein energieintensiver Prozess, der erhebliche Mengen an Treibhausgasen freisetzt. Neben der Verbrennung selbst ist vor allem das bei der Förderung und Verarbeitung austretende Methan problematisch. Methan ist ein hochwirksames Treibhausgas und um ein Vielfaches klimaschädlicher als CO2. Schon kleinste Leckagen oder das kontrollierte Ablassen von Gas (sogenanntes Venting) können enorme Umweltfolgen haben.
Am Terminal in Calcasieu Pass ist dies keine Ausnahme, sondern die Regel. Laut dem Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) entweichen dort überdurchschnittlich grosse Mengen an Methan – unter anderem aufgrund technischer Mängel infolge des beschleunigten Baus. Der Betrieb führt ausserdem zu hoher Luftverschmutzung, zerstört sensible Feuchtgebiete und bedroht die Lebensgrundlage lokaler Fischereigemeinschaften.
Selbst die Internationale Energieagentur warnt: Wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden sollen, darf es keine neuen Investitionen in fossile Energieinfrastruktur mehr geben. Der weitere Ausbau von Flüssiggas-Kapazitäten steht im direkten Widerspruch dazu.
Diese Entwicklung wird auch durch die Unterstützung grosser Versicherungskonzerne ermöglicht, darunter mehrere Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz. Ohne die entsprechenden Versicherungsleistungen wären der Bau und der Betrieb solcher Anlagen kaum realisierbar. Spezialisierte Policen mindern finanzielle Risiken für Betreiber und machen Projekte wie Calcasieu Pass überhaupt erst wirtschaftlich tragfähig.
Solange klimaschädliche Grossprojekte wie LNG-Terminals durch internationale Versicherungen abgesichert werden – auch aus einem Land wie der Schweiz, das sich offiziell zum Klimaschutz bekennt –, bleiben globale Umweltziele reine Theorie.