Bundesrat ignoriert grössten Klimahebel der Schweiz
Trotz des erwiesenen Handlungsbedarfs bei der nachhaltigen Ausrichtung des Finanzplatzes empfiehlt der Bundesrat die Finanzplatz-Initiative ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung. Damit bleibt er ausgerechnet dort untĂ€tig, wo die Wirkung fĂŒr Klima und Natur am grössten wĂ€re. Das zeigt, dass es die Initiative weiterhin braucht.
âDie Ablehnung zeigt, weshalb es die Finanzplatz-Initiative braucht. Trotz historischem Hitzesommer ignoriert der Bundesrat ausgerechnet den Finanzplatz weiterhin und lĂ€sst damit unseren grössten Hebel fĂŒr Klimaschutz ungenutzt.â
Marc Jost, Nationalrat EVP und Mitglied des Initiativkomitees
âWĂ€hrend es klare und verbindliche Klimavorgaben fĂŒr die Realwirtschaft gibt, fehlen diese in der Finanzbranche weitgehend. Der Bundesrat misst beim Finanz- und beim Werkplatz mit unterschiedlichen MassstĂ€ben."
Barbara Schaffner, NationalrÀtin GLP und Mitglied des Initiativkomitees
âDie internationale Bedeutung und der gute Ruf des Schweizer Finanzplatzes beruhen auf seiner StabilitĂ€t, ZuverlĂ€ssigkeit und Innovationskraft. Die BerĂŒcksichtigung der Auswirkungen der FinanztĂ€tigkeit auf Klima und Natur ist nicht nur eine Frage der Verantwortung, sondern trĂ€gt dazu bei, diese StĂ€rken langfristig zu erhalten."
Michael Malquarti, Risikomanager bei einer Verwaltungsgesellschaft und Mitglied des Initiativkomitees
Rund 2 Milliarden Franken investiert der Bund jĂ€hrlich in den Klimaschutz im Inland, dazu kommen rund 600 Millionen fĂŒr die BiodiversitĂ€t. Diesen Investitionen stehen fast 127 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber, die allein von institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Vermögensverwaltern aus der Schweiz in Unternehmen aus fossilen Industrien weltweit fliessen. Damit untergrĂ€bt der Schweizer Finanzplatz die Aufwendungen und Anstrengungen fĂŒr besseren Klimaschutz und den Erhalt der Natur im Inland.
Dass der Bundesrat die Finanzplatz-Initiative trotzdem zur Ablehnung empfiehlt, ist deshalb nicht nachvollziehbar. Ausgerechnet beim grössten Hebel fĂŒr den Klimaschutz ignoriert er den erwiesenen Handlungsbedarf und verkennt damit auch den Willen von ĂŒber 145â000 Unterzeichnenden.
Sonderbehandlung aufrechterhalten
WĂ€hrend es fĂŒr Unternehmen in anderen Branchen lĂ€ngst verbindliche Vorgaben und Umweltstandards gibt, verweist der Bundesrat beim Finanzplatz weiterhin auf bestehende Instrumente.
Dies, obschon die bisherigen Massnahmen nachweislich weder ausreichen, um den Finanzplatz nachhaltiger zu machen, noch um dem bundesrĂ€tlichen Anspruch, den Schweizer Finanzplatz «als einen der weltweit fĂŒhrenden Standorte fĂŒr nachhaltige Finanzen», zu etablieren, gerecht zu werden.
Wer diesen Anspruch ernst nimmt, muss auch bereit sein, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Stattdessen sendet der Bundesrat nun ein gegenteiliges Signal: Der Finanzplatz soll weiterhin von seiner Verantwortung entbunden sein.
Netto-Null Interesse an einer Lösung
Das Problem ist bekannt, die Lösungen liegen auf dem Tisch. Trotzdem herrscht weiterhin Stillstand in der Schweizer Sustainable-Finance-Politik.
Besonders mutlos und kurzsichtig ist, dass der Bundesrat darauf verzichtet, der Initiative einen Gegenvorschlag gegenĂŒberzustellen. Denn die Umlenkung von Kapital aus umweltschĂ€dlichen AktivitĂ€ten hin zu nachhaltigen Lösungen bietet grosse Chancen. Dadurch wird die nachhaltige Transformation der Wirtschaft beschleunigt, die Innovationskraft von Unternehmen gestĂ€rkt und der Ausstieg aus den fossilen Energien beschleunigt.
Stattdessen stĂŒtzt die Regierung mit ihrer Ablehnung der Finanzplatz-Initiative den Kurs der Finanzlobby, die wirksame Regulierung prinzipiell bekĂ€mpft.
Herzlichen Dank fĂŒr Ihr Interesse
Allianz fĂŒr einen nachhaltigen und zukunftsgerichteten Finanzplatz Schweiz
Sebastian Obrist Mediensprecher WWF Schweiz, sebastian.obrist@wwf.ch, +41 77 417 68 19
Wichtige Zahlen und Fakten:
- Grösster Klimahebel: Der Schweizer Finanzplatz verantwortet weiterhin ein Vielfaches der inlÀndischen CO2-Emissionen.
- Starke Verflechtung des Finanzplatzes mit dem fossilen Sektor: Mit 127 Milliarden Dollar gehört die Schweiz zu den 10 wichtigsten InvestorenlÀnder in fossile Energien.
- Auch Versicherungen heizen Klima an: Sie liegen international nur im Mittelfeld und reagieren entsprechend unzureichend auf die Klima- und BiodiversitÀtskrise.
- Kein Vorbild: Im internationalen Vergleich zeigen LÀnder wie Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, China und Singapur deutlich ambitioniertere und kohÀrentere RegulierungsansÀtze.
- Freiwilligkeit reicht nicht: Die Versicherungsunternehmen Swiss Re und Zurich haben im zweiten Halbjahr 2025 bekanntgegeben, auf eine unabhĂ€ngige Validierung ihrer Klimaziele durch die Science Based Target initiative (SBTi) zu verzichten. Die UBS hat im August 2025 ihren Austritt aus der Net-Zero Banking Alliance (NZBA), deren GrĂŒndungsmitglied sie war, kommuniziert. Kurze Zeit spĂ€ter stellte die NZBA ihre TĂ€tigkeiten ein.
- Es gibt einen besseren Weg: Fortschrittliche Finanzinstitute beweisen es: Bei ihren Investitionen, Finanzierungen oder Versicherungen können sie auf umweltschÀdigende AktivitÀten und Sektoren verzichten oder diese strenger handhaben.